kig Kultur in Graz. Plattform f?r interdisziplin?re Vernetzungsarbeit.

Lesen Programm Kulturarbeit Kurse Ausschreibung Jobs ausLage ?ber uns Links




´^` zurück    ! neu...     * alle kategorien


Wie du sagen „Kassa"

Kennen Sie Marco? Marco aus Beograd. Nicht den Waffenhändler. Der Vetter von Kusturicas Vetter bespielte das Grazer Strassenpublikum mit seiner Harmonika. Ich gesellte mich zu ihm in die Sporgasse, genoss die musikalische Reise: die Mur, Drau, die Donau abwärts - als der Bürgermeister Nagel über das Pflaster die Sporgasse abwärts klapperte, ohne jene Musik wahrzunehmen, die ich ohne zu zögern dem Dj Shantel und seinem Bukowina Club zur freien Begeisterung anbieten würde. Doch da war der in seine Gedanken versunkene Bürgermeister schon in Richtung des mit Topfpflanzen behübschten Erzherzog-Denkmals verschwunden. Ich klopfte Marco auf die Schulter, der mir beteuerte, „Graz ist schon super! Super Graz!“
Weiter - mitsamt der Chipsy Melodie in den Gehörgängen, über die Hauptbrücke nach 8020. Links und Rechts hatten die alten Mautstationen wieder ihren Betrieb aufgenommen, doch jene schrankenlose und sanktionslose Mautbereitschaft, der von Bezirk zu Bezirk über den Fluss Schreitenden, glänzte vor allem durch ihr Darüber-hinaus-zum-Kunsthaus-schauen, worauf sich einer der Herren erhob und mir die Hand entgegenstreckte. Den letzten Euro in Marcos Kappe gelassen, versuchte ich ihm mit einem raschen side step zu entkommen - unmöglich. Er stellte mich an der Mitte der Brücke. „Ich haben Geschenk für Sie,“ sagte der Mann. „Öha,“ dachte ich bei mir - schon zog er ein Buch aus seiner Jackentasche und im Angesicht des Hardcovers wurde ich verlegen. Er sagte, „Ich auch heissen Tibor“ und verwies mich auf den Titel des Buches, da stand „Lieber Tibor“ geschrieben - „aus dem Briefwechsel Sandor Marais an Tibor Simanyi.“ „Danke. Danke,“ murmelte ich verlegen, einer intellektuelleren Auseinandersetzung unfähig ging ich verstohlen und bereichert zugleich weiter. Noch im Gehen las ich, dass der Bestsellerautor Marais am selben Tag wie ich geboren war, 11. April 1900 - er in Kassa, ich 1965 in Graz. Simanyi ersucht „dringend“ den Namen Kassa richtig auszusprechen: „Das „a“ ist ein dunkler ins „o“ hinüberklingender Laut, und die beiden Mitlaute „ss“, sind wie ein doppeltes „sch“. Auf Deutsch nennt man die Stadt am nördlichen Kranz der Karpaten Kaschau, Kosice auf slowakisch, und ihr alter lateinischer Name ist Cassovia. Nicht ohne an Warhols Vorfahrenschaft einen Luftgruss zum Karpatenkranz zu verschicken, das Kunsthaus hinter mir lassend, eilte ich die Griesgasse entlang, weiter - vorbei an des Bürgermeisters Haus, welches da sozial unterbelichtet auf seinen widmungsgemässen Auftrag abwartet, weiter - am Harmonikazentrum vorbei, wo eines der Zigeunerkinder mit einer Knopferlharmonika gottverlassen dasteht, vorbei - weiter - mit meinem „neuerhaltenen Buch unter dem Arm, bis zu jener Stelle, wo die Feuerbachgasse in die Griesgasse mündet. Dort traf ich auf einen mir bekannten Dichter, den ich des öfteren auf meinen Gängen durch 8020 antreffe. Er bestätigte mir sofort, dass der Bürgermeister ausschliesslich in 8010 anzutreffen sei, er ihn noch nie in 8020, wie ich übrigens auch, angetroffen habe, was uns beide, die wir in 8020 wohnhaft sind, sofort zu der berechtigten Annahme veranlasste, dass unser Herr Bürgermeister gar kein dringendes Wohnbedürfnis an der erwähnten Liegenschaft in der Griesgasse haben könne und dass ausser einigen Topfpflanzen im gegenständlichen Objekt nicht viel bürgerdienliches Wachstum geschehen würde. Vielleicht sollte man dieses Haus Zigeunerkindern oder den Punks zur Verfügung stellen,“ gab ich zu bedenken „ - die könnten jene Villa umfunktionieren,“ erwiderte der Schriftsteller und nahm mir das Buch aus dem Arm, danach versuchte er sich in der Aussprache von Kassa - „Koossccchauu , interessant,“ murmelte er, „da muss ja irgendwo Hostitsche in der Nähe sein. Hostice?, fragte ich nach. „Da kommen unsere Roma heraus,“ bekam ich zur Antwort. „Jene Brückenbeauftragte?“ fragte ich weiter. „Genau dieser.“ „Kosice, Hostice,“ das müsse doch naturgemäss klingend-nahe-aneinander liegen, gab ich mich zielsicher und erzählte von Tibor an der Brücke - „Ahh der Tibori,“ bekomme ich zur Antwort, „das ist mir einer,“ sagte der Schriftsteller und zog seinerseits einen literarischen Grazführer im grünen Einband aus der Tasche. Schon hatte er die Seite aufgeschlagen, worin Roth der Ältere, dessen Nachlass zu Lebzeiten unberücksichtigt geblieben, die „Peripherie“ ganz gut mit den Worten „ ...die, Gott erhalte singen“, beschrieben. „Das sollte der Herr Bürgermeister lesen.“ „Unbedingt!“ Wir einigten uns auf der Landkarte weiter nach dem Zentrum zu forschen, von 8020 aus ... bis auf ein Nächstes.
Ich eilte weiter, zum Johann Joseph Fux Konservatorium, wo ein Professor ein ganzes Arkordeonorchester leitet. Ein Bekannter, ein Filmemacher, hatte mir geflüstert, dass jener Professor Moder - angeblich - die Patenschaft für das Romamusikermädchen übernehmen wolle, das wegen Erregung durch unmusikalisches Auftreten im Stadtraum zum stummen und zugleich bewegungslosen Ausharrens an der Kittelfalte einer Aufsichtsperson („fremde Mama“) oder aber zum Giessen von 30 Kübeltopfpflanzen am Grazer Hauptplatz verurteilt wurde.

n.nagy

...




[Kolumne/n.nagy/24.06.2004]





    Kolumne/n.nagy


    06.11.2017 Flüchtig

    05.10.2017 Who can it be NOW?

    01.09.2017 Kurz oder Lang

    31.07.2017 Konzentriert Euch

    20.07.2017 Kunst: eine Verantwortung

    12.06.2017 Weisses Papier

    17.05.2017 Salz im Tanz

    04.04.2017 Es wurmst

    07.03.2017 Two for Twelve

    08.08.2016 Micro Galleries

    22.07.2016 Pubculture

    21.06.2016 Spiel und die Welt

    12.05.2016 Friendly Alien

    25.04.2016 Spielfelder

    04.03.2016 WE COME AS FRIENDS

    26.02.2016 Sound the beast

    09.02.2016 Free China

    13.12.2015 Happy?

    10.11.2015 SPIELFELD

    16.10.2015 Mein K(r)ampf

    14.10.2015 Die Revolution frisst - Vereine die gerne AGs wären

    13.07.2015 Der Fremde

    10.06.2015 Vagabunden

    20.03.2015 An-Statt-TV-Land

    20.02.2015 FPF Filmpionier Bernhard Frankfurter

    28.01.2015 Zabriskie Point: davor und danach

    12.12.2014 Xmas3

    14.11.2014 Klick it

    20.10.2014 herbstpartie-y

    23.09.2014 Dort – wo uns die Sprache erfindet

    27.08.2014 Zukunft war gerade – und jetzt!

    06.06.2014 Ein Sonntag im Mai

    29.04.2014 Damals - Zeiten der Unruhe

    24.03.2014 Krieg - Art

    14.02.2014 Cooperale

    11.11.2013 Straßennarben

    10.10.2013 Das blaue Wunder - eine Brücke

    05.09.2013 Belämmert mich - nicht.

    05.08.2013 Take Care – cam me free

    06.07.2013 Kunst-Aufwertung

    03.06.2013 Über Kinder der Iris

    13.05.2013 Grundlagen. Wer lehrte die Biene?

    27.03.2013 Venedig

    08.03.2013 HAARP - Harfenspieler

    29.01.2013 Keine Angst

    06.12.2012 Der Hofer wars ...

    29.11.2012 Sieben

    08.10.2012 Flashmobbing

    07.09.2012 Club-Subculture again

    02.08.2012 Keplerkoje - Gnadenlose Flut

    25.07.2012 Zuviel Hitze

    02.07.2012 Erdbeweger

    18.05.2012 LEND WIRBELT

    10.04.2012 Sturm - Kratzer am Meer

    27.03.2012 Aufruf des Erinnerns (Iden des März)

    16.02.2012 2nd Floor - stadtmuseum

    23.01.2012 Neue Heimat

    04.01.2012 Das verborgene Museum

    29.11.2011 Bleibt Papier geduldig?

    03.11.2011 Macht Platz

    19.09.2011 Much too Much . Zuviel ist Zuviel

    02.08.2011 Gries-Gardening

    18.07.2011 Eine „Annen4elfolge“

    29.06.2011 Arbeit macht über die Freiheit der Kunst freier

    26.04.2011 ...oder dem Tanz das Töten verging

    22.02.2011 3-25 ist -23

    10.01.2011 Minus 18-25

    06.12.2010 United - und eine Diagonale

    12.10.2010 “Better Together”

    24.08.2010 Smok-ie

    27.07.2010 Grauschleier „Sport und Brötchen statt Drogen“

    07.07.2010 Urbanes Verhandeln

    31.05.2010 Es gilt die Unschuldsvermutung

    30.03.2010 Black is Black

    02.03.2010 Alles Schweigen - Shining: Ein Schubhaftgefängnis - Lager - in Vordernberg?

    02.02.2010 "Jojo"

    14.01.2010 Hotel §5 MRK

    15.12.2009 Theater der Unterdrückten - das Weltforum-Theaterfestival aus Graz

    15.11.2009 Schatz des Arif

    30.10.2009 Mur-Boal

    30.09.2009 Hanedke

    13.09.2009 Daheimatlos

    08.08.2009 Parkland

    08.08.2009 Daheimatlos

    10.06.2009 Kunst sollte man auch kaufen

    05.05.2009 Einmal Arbeit genügt.

    14.04.2009 Akademie Ortlos

    09.03.2009 Frühlingsverfolgen

    02.12.2008 Transkaukasische U-Boote

    08.10.2008 Shanti-Kunstsitzen

    12.09.2008 BECAUSE

    10.07.2008 REGIONAL (e)

    27.06.2008 Frühsommerspiele

    08.04.2008 Nico will es wissen

    05.03.2008 Alles Schall und Rauch

    05.03.2008 Die üblichen Verdächtigen

    23.02.2007 Über fall?

    05.07.2006 Bürgerwehren, Bettler und Fremde I

    04.07.2005 Nicht jeder ist eine Minderheit?

    13.06.2005 Gugi TV

    31.03.2005 Frühlingserwachen

    09.03.2005 Alles Lug ..?

    25.02.2005 Frauen in die Küche – Keller unter Wasser

    31.01.2005 „Melodie“

    25.01.2005 Amen Dschijas

    10.11.2004 Mr. President

    05.10.2004 Zeit der Zigeuner Teil II

    04.10.2004 Zeit der Zigeuner (1. Teil)

    22.09.2004 Adieu Marius

    14.09.2004 He romare!

    09.09.2004 Vielleicht kalt duschen .....

    28.07.2004 GRAZ ERZÄHLT

    21.07.2004 Aufgabe: „Alavitien“

    24.06.2004 Wie du sagen „Kassa"

    09.06.2004 Kindermusiker oder der Bürgermeister, der Pfarrer und die Diva

    #modul=kig_rotation##where aktiv=1# #modul=kig_rotation#

    Volltextsuche
    KiG! Mailingliste: @

    CROPfm

    <#no_bild#img src={bild}>{text}
    <#no_bildklein#img src={bildklein}> {headline}





    KiG! lagergasse 98a - A - 8020 graz - fon & fax + 43 - 316 - 720267 KiG! E-Mail.